Von Lehrlingen und Auszubildenden

Nachdenken über journalistische Sprache

In neumodischen Kaufhäusern sucht man das Wort „Schlüpfer“ vergeblich, Kinos heißen heute nicht mehr Lichtspielhäuser und in Zeiten von Smartphones braucht niemand mehr Münzfernsprecher. Sprache befindet sich stets im Wandel und passt sich ihrer Zeit an. Für Journalisten ist sie, was für Tischler der Hobel ist – ihr Handwerkszeug.

Warum also lesen wir ständig „Lehrling“ in den Zeitungen?

In der BRD wurde der Begriff Lehrling bereits nach der Novellierung des BBiG 1971 durch die Bezeichnung Auszubildene_r ersetzt. Aus guten Gründen:

Ein Lehrling hatte nur wenig Rechte, schuldete seinem Lehrherrn strengen Gehorsam, bezahlte an ihn Lehrgeld und durfte sogar von ihm gezüchtigt werden.

Mit der Neuordnung der Berufe zur Zeit der Industrialisierung änderten sich auch Formen der Lehre. Das Berufsbildungsgesetz von 1969 nimmt diese Änderungen auf und legt erstmals den Begriff „Auszubildender“ fest. Damit einher gingen festgeschriebene Rechte und Pflichten von Auszubildenden und Ausbildern. Die Art der Ausbildung, ihre sachliche und zeitliche Gliederung mussten beschrieben werden, tägliche Arbeitszeiten wurden festgelegt und eine Ausbildungsvergütung gezahlt.

Schließlich ging und geht es um viel mehr, als etwas „gelehrt“ zu werden. Zum Bildungsauftrag der Berufsschulen gehört heute zum Beispiel, den Auszubildenden berufliche Handlungskompetenzen zu vermitteln aber auch ihre Allgemeinbildung zu erweitern. Sie sollen nicht nur ihre Aufgaben im Beruf erfüllen, sondern ihre eigene Arbeitswelt und die Gesellschaft mitgestalten und soziale, sowie ökologische Verantwortung übernehmen (Kultusministerkonferenz)

 Rein sprachlich gesehen, ist das Wort „Lehrling“ mit einer Nachsilbe versehen, die pejorativ, abwertend zu verstehen ist. In Zeiten, in denen die Wirtschaft händeringend nach Fachkräften sucht, sollte man denen, die Fachkräfte sein werden, mehr Respekt entgegen bringen.

Da geht es zum Einen um das ständige Schimpfen auf Bewerber_innen, zum anderen aber auch um die gebetsmühlenartige Wiederholung veralteter und überholter Begriffe.

 Journalistische Schreibweise muss sensibler auf Begrifflichkeiten dieser Art achten und Journalist_innen als Meinungsbildner_innen sollten entsprechende Verantwortung zu übernehmen

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Fachtag „IHR seid nicht ausbildungsreif!“

In regelmäßigen Abständen monieren Unternehmen und Medien die mangelnde Ausbildungsreife der Jugendlichen. So titelte der Stern im letzten August: »Wirtschaft kann über 60.000 Lehrstellen nicht besetzen« und die BILD fragte »Sind unsere Azubis zu blöd?« Das aber ausgerechnet die Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, die wegen Überstunden, zu wenig Geld und schlechter Ausbildungsqualität unbeliebt
sind, wird dabei oft verschwiegen. Unerwähnt bleibt auch, dass die Lage auf dem Ausbildungsmarkt alles andere als in Ordnung ist. Was ist dran am Vorwurf der angeblich mangelnden Ausbildungsfähigkeit von Bewerber_innen? Wie hängt sie mit der Situation auf dem Ausbildungsmarkt zusammen? Wie ausbildungsfähig sind eigentlich die Unternehmen in Hessen und Thüringen? Welche betrieblichen und gewerkschaftlichen Beispiele gibt es für eine gute Ausbildung für alle?
Der Fachtag hat die Ziele, die Diskussion um die Ausbildungsreife kritisch zu hinterfragen und zu formulieren, wie die Unternehmen aus Sicht der Gewerkschaftsjugend ausbildungsfähig werden. Der Fachtag richtet sich an Kolleg_innen, die im Betrieb, in der Berufsschule, in ihrer Gewerkschaft oder in Ausschüssen der Kammern mit der Ausbildung zu tun haben oder sich für Fragen der Ausbildungsfähigkeit und Qualität interessieren.

Ablauf
10.45 Uhr Ankommen, Begrüßung

11.00 Uhr Einleitungsreferat: Mangelnde Ausbildungsfähigkeit? Eine alternative Perspektive: Dr. Steffen Großkopf, Uni Jena

12.15 Uhr Workshops

  • Von der Schule in die Ausbildung: Übergangssystem oder Maßnahmen-Dschungel?
    Input: Lisa Hofmann (DGB-Jugend)/ Ralf Becker (GEW)
    Moderation: Ulrike Eifler (DGB-Jugendbüro Mittelhessen)
  • Gute Ausbildung? Warum Ausbildungsqualität so wichtig ist
    Input: Benjamin Krautschat (DGB-Jugend) / N.N.
    Moderation: Jenny Zimmermann (DGB-Jugendbüro Thüringen)
  • Keine Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt. Von fehlenden
    Ausbildungsplätzen bis zum »Fachkräftemangel«
    Input: André Schönewolf (DGB-Jugend)/ Steffen Spengler (IG BAU)
    Moderation: Christian Begass (DGB-Jugendbüro Frankfurt)
  • Betriebliche Übergänge Schule – Ausbildung – Beruf. Wie werden alle Jugendlichen mitgenommen?
    Input: Tobias Huth (DGB-Jugend) / N.N.
    Moderation: Holger Kindler (DGB-Jugend Hessen-Thüringen)

13.45 Uhr Pause, Mittagsimbiss

14.45 Uhr Austausch und Diskussion über die Workshop-Ergebnisse

16.30 Uhr Abschlussdiskussion, Ausblick

 


Wir haben einen Plan…

…für das 1. Halbjahr 2012

Am Wochenende trafen sich Gewerkschaftsjugendliche, um gemeinsam die inhaltlichen Schwerpunkte der DGB Jugend Thüringen für 2012 zu setzen. Neben der Auswertung des zurückliegenden Jahres standen gemeinsame Verabredungen zur Zusammenarbeit im Fokus der Klausurtagung.

Im ersten Halbjahr wird es uns neben vielen anderen Inhalten nun vor allem darum gehen:

–          Wir setzen uns ein für ein Bildungsfreistellungsgesetz, das unseren Vorstellungen entspricht…wie genau das aussieht, werden wir gemeinsam diskutieren

–          Der 1. Mai – war, ist und bleibt unser Kampftag! Mit jugendlichen Aktionen werden auch wir dabei sein

–          Eine weitere Berufsschul-Tour muss geplant werden, damit wir Azubis in Thüringen weiter flächendeckend erreichen und sie über ihre Rechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten aufklären können

–          Jung und Alt lernen voneinander – ein Generationenaustausch soll dazu beitragen

–          Das Bundesarbeitsgericht fast direkt vor der Nase…das sollten wir doch mal nutzen! Mit einem Besuch und Gesprächen mit Arbeitsrichterinnen und –Richtern


„Uns stellt sich vielmehr die Frage, ob Unternehmen ausbildungsreif sind!“

Die DGB Jugend Thüringen äußert sich erneut kritisch zu den veröffentlichten Ausbildungsmarktzahlen und der damit zusammenhängenden Fachkräftedebatte.

„Für uns bleibt weiterhin fragwürdig, warum Unternehmen über fehlende Fachkräfte klagen und gleichzeitig nur etwas mehr als die Hälfte der Bewerber_innen (52,6%, Statistik der BA) in ‚ungeförderte Berufsausbildung’ einmündeten“, meint Jugendbildungsreferentin der DGB Jugend Thüringen,Jenny Zimmermann.

Restaurantfachleute, Hotelfachmann/-frau, Friseur_in, Kaufleute im Einzelhandel, Köch_innen – diese Berufe stehen ganz oben auf der Liste der unbesetzten Ausbildungsstellen. Es sind auch die Berufe, die laut einer Studie (Ausbildungsreport 2011) der DGB Jugend am schlechtesten in der Bewertung der Ausbildungsqualität ausfielen. Die Gewerkschaftsjugend sieht an dieser Stelle einen klaren Zusammenhang. Ausbildungsfremde Tätigkeiten, mangelnde fachliche Anleitung, Überstunden, schlechte Vergütung – im Berufsalltag der Auszubildenden längst keine Einzelfälle mehr. Vor allem das Gaststätten- und Hotelgewerbe ist davon betroffen.

„In den letzten Wochen verpassten einige IHKen in Thüringen den Ausbildungssuchenden eine Generalschelte (der mdr berichtete), indem sie anprangerten, dass die Jugendlichen zu unmotiviert und sozial inkompetent, schlicht nicht ‚ausbildungsreif’ seien“, meint Zimmermann weiter. „Doch uns stellt sich vielmehr die Frage, ob die Unternehmen ausbildungsreif sind!“

Berufsausbildung soll neben beruflichen Fachkenntnissen auch soziale Kompetenzen vermitteln. „Wer von den Bewerber_innen erwartet, ‚fertige’ Auszubildende zu sein, steht bei uns in Verdacht, lediglich auf billige Arbeitskräfte zurückgreifen zu wollen. Wer wirklich Fachkräfte braucht, ist auch engagiert dabei, diese gut auszubilden.“


Gewerkschaftsjugend beendet Berufsschultour…

Berufsschultour erreicht über 600 Berufsschüler_innen in Thüringen

Die DGB Jugend Thüringen hat vom 26.09. – 14.10.2011 in Thüringen ihre diesjährige Berufsschultour durchgeführt. „Während dieser drei Wochen konnten wir über 600 Berufsschüler_innen über ihre Rechte und Pflichten während der Berufsausbildung, über die Funktionen der Gewerkschaften und die betriebliche Mitbestimmung informieren“, sagt dazu Tobias Huth, Jugendbildungsreferent der DGB Jugend Thüringen.

 Entgegen Äußerungen der Arbeitgeber musste in vielen Gesprächen mit den Jugendlichen festgestellt werden, dass es unter anderen im Hotel und Gaststättengewerbe, im Dienstleistungsbereich als auch im Metallhandwerk nach wie vor zu teilweise gravierenden Verstößen gegen das Berufsbildungsgesetz kommt. So werden oftmals Arbeitszeiten nicht eingehalten und Auszubildende werden als reine (billige) Arbeitskräfte in der Produktion eingesetzt, anstatt sie qualitativ hochwertig auszubilden. „Dazu kommt, dass es in vielen Betrieben keine oder nicht genügend Ausbilder_innen gibt, die kompetente Ansprechpartner_innen für die Azubis sind“, bemängelt Tobias Huth.

Die Gewerkschaftsjugend Thüringen sieht sich darin bestätigt, dass sie als Interessenvertretung der jugendlichen abhängig Beschäftigten mit der Berufsschularbeit einen wichtigen und sinnvollen Beitrag zur Information und Aufklärung leistet. Dort, wo es notwendig erscheint, wird sie weiter öffentlich und aktiv gegen schlechte Ausbildungsbedingungen vorgehen.

PM vom 17. Oktober 2011


Gewerkschaftsjugend unter Generalverdacht II

Hier könnt ihr noch den Radiobeitrag von Radio F.R.E.I.  (Lokalnachtichten vom 8.4.2011) zum Sachverhalt vom 30. März 2011 hören.

Spannend vor allem die Aussage der PD Erfurt: „Wenn die der Meinung sind, dass das ungerechtfertigt ist, dann sollen sie doch eine Anzeige machen und dann wird das auch das Gericht prüfen. Jedoch sind wir im Rahmen der Nacheile durchaus berechtigt bestimmte Objekte zu betreten. Und da können wir nicht erst irgendwo hin laufen und einen Durchsuchungsbeschluss holen.“

Wie das Ganze jetzt weiter geht? Wir halten euch hier auf dem Laufenden!


Gewerkschaftsjugend Thüringen unter Generalverdacht?

Pressemitteilung der DGB – Jugend Thüringen zum Vorfall mit Polizeibeteiligung auf dem Gelände der Gewerkschaft Ver.di und dem offenen Jugendbüro der Gewerkschaftsjugend „filler“ vom 30. März 2011

Am 30. März 2011 gegen 20.15 Uhr drangen mehrere Polizeibeamte ohne Durchsuchungsbefehl auf das Gelände der Gewerkschaft Ver.di in der Schillerstaße 44 in Erfurt ein und verlangten von den anwesenden Mitgliedern des Landesjugendausschusses der DGB Jugend Thüringen die Personalien. Ebenso notierten sie sich die Kennzeichen aller Fahrzeuge, die sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Privatgelände befanden. Sie beschuldigten die Gewerkschafter_innen, im Zusammenhang mit einer brennenden Mülltonne auf dem Löberwallgraben zu stehen und versuchten, in das Jugendbüro einzudringen, um dort nach weiteren Verdächtigen zu suchen. Gegen den hauptamtlichen Jugendbildungsreferenten der DGB Jugend Erfurt wurde eine Anzeige wegen angeblicher Mittäterschaft aufgenommen.

Wir weisen außerdem darauf hin, dass in der am 01. April 2011 veröffentlichten Pressemitteilung der PD Erfurt von einer „Gruppe auf die die Täterbeschreibung passt“ gesprochen wird. Darin werden die gewählten Vertreter_innen der Gewerkschaftsjugend in einem satzungsgemäßen Gremium kriminalisiert. Die DGB Jugend Thüringen protestiert auf das Entschiedenste gegen diese Kriminalisierung.

Wir fordern das Thüringer Innenministerium auf, die ermittelten personenbezogenen Daten sofort zu vernichten, die Ermittlungen gegen die Mitglieder des Landesjugendausschusses der DGB Jugend Thüringen sofort einzustellen und sich zukünftig an die rechtsstaatlichen Gegebenheiten zu halten. Weiterhin erwarten wir vom Innenministerium und der PD Erfurt eine Stellungnahme zu diesem Vorfall.

Für weitere Fragen steht ihnen Tobias Huth, Jugendbildungsreferent der DGB Jugend Thüringen über untenstehende Kontaktmöglichkeiten gern zur Verfügung.

tobias.huth@dgb.de                                                                                                                                                                                                                                                                                              Tel.: 0361/5961460